Insolvenzverwaltung

Der Insolvenzverwalter und seine Aufgaben

Zum Insolvenzverwalter wird vom zuständigen Insolvenzgericht eine geeignete Person bestellt. Ihre Aufgabe ist es, als verlängerter Arm der Justiz nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens die Insolvenzmasse in Besitz und Verwaltung zu nehmen, Forderungen des Schuldners einzuziehen, Vermögensgegenstände im Sinne der Masse – unter Wahrung eventueller Fremdrechte (wie z.B. Absonderungs- und Aussonderungsansprüche) – zu verwerten, Anfechtungsansprüche geltend zu machen,

Der Insolvenzverwalter ist nach der hierzulande herrschenden Meinung, der sog. Amtstheorie, Partei kraft Amtes. D.h. er ist nicht direkter Vertreter der Gläubiger, des Schuldners oder der Insolvenzmasse als „Rechtssubjekt“, wie es eine Mindermeinung annimmt, sondern handelt im eigenen Namen für und auch zu Lasten der Insolvenzmasse. Eine gesetzliche Grundlage für diese Theorie, die sich in Deutschland mittlerweile durchgesetz hat, findet sich in § 116 S. 1 Nr. 1 ZPO.

Ein Insolvenzverwalter ist hingegen, wie es oft landläufig jedoch von Betroffenen fehlerhaft angenommen wird, keinesfalls Anwalt des Schuldners. Vielmehr vertritt er in seiner Amtsausübung ausschließlich die Interessen der Gläubiger.

Insolvenzverwalter unterliegen einer Fachaufsicht

Insolvenzverwalter unterliegen in ihrer Amtsausübung der Fachaufsicht der Insolvenzgerichte. Sie haben sich an die gültigen Bestimmungen zu halten und riskieren andernfalls sogar, mit ihrem persönlichen Vermögen in Haftung genommen zu werden (§60 InsO).

Das Amt des Insolvenzverwalters ist ein sehr verantwortungsvolles. Die Spagataufgabe, einerseits die Interessen der Gläubiger angemessen zu wahren und andererseits einen respektvollen Umgang mit dem Schuldner zu garantieren, gelingt bei weitem nicht allen Verwaltern.

Insolvenzverwalter sind oftmals rücksichtslos

Leider gibt es, wie in allen Berufungsgruppen, auch schwarze Schafe, die dem Ruf der Insolvenzverwalter im Allgemeinen schaden. So wird Insolvenzverwaltern häufig vorgeworfen, mehr im eigenen Sinne zu handeln, als im Sinne der Insolvenzgläubiger. Im Falle von Unternehmensinsolvenzen wird häufig der Vorwurf an Insolvenzverwalter herangetragen, sich nicht intensiv genug mit den Möglichkeiten einer Sanierung und der Fortführung des Betriebes auseinanderzusetzen, sondern sich nur der Abwicklung zuzuwenden.

Solche Vorwürfe mögen in begründeten Einzelfällen zutreffen, aber die überwiegende Mehrheit der Insolvenzverwalter üben ihren Beruf sehr verantwortungsvoll und mit Überzeugung aus. Jedoch darf man bei der Bewertung niemals vergessen, dass die Bibel der Insolvenzverwalter die Insolvenzordnung ist und moralische Vorstellungen in vielen Fällen von geltendem Recht auch abweichen können.

Dabei muss man stets berücksichtigen, dass inbesondere in den Presseberichten zu öffentlichkeitswirksamen Verfahren die oft sehr hoch erscheinenden Vergütungen kritisiert werden und dabei regelmäßig außer Acht gelassen wird, dass Insolvenzverwalter in solchen Großverfahren oft hunderte von Mitarbeitern und externe Dienstleister bezahlen müssen. Journalisten kommen oft zu einem Urteil, ohne die tatsächliche Lage fachlich überhaupt einschätzen können. Der äußere Anscheint einer Sanierungschance trügt nicht selten!

Insolvenzverwaltung mit Augenmaß

Insolvenzverfahren müssen mit Augenmaß geführt werden. Die richtige Balance zu finden, Insolvenzverfahrens einerseits nicht unnötig in die Länge zu strecken und anderseits die Ansprüche der Insolvenzmasse durchzusetzen ohne sie dabei zu gefährden, ist dabei eine Kernaufgabe. Die Kommunikation mit dem Schuldner sollte dabei immer professionell und respektvoll bleiben, denn wir sind davon überzeugt, dass eine auf den persönlichen Konflikt und auf Zwangsandrohung basierende Kommunikation letztlich nur dazu führen kann, dass die weitere Verfahrensführung großen Schaden nimmt.

Bei besonders renitenten Schuldnern bzw. Schuldnervertretern sollte die Androhung und Ausübung von gesetzlichem Zwang jedoch als ultima ratio herangezogen werden können.

Das Personal des Insolvenzverwalters ist die Säule erfolgreicher Amtsausübung

Insolvenzverwalter und ihr Personal müssen dabei stets die aktuelle Rechtslage und die Judikatur im Blick behalten und die eigene Weiterbildung stets in den Mittelpunkt stellen.

Insolvenzverwalter, die fast ausschließlich aus den Reihen der Rechtsanwälte bestellt werden, bedienen sich bei ihrer Berufsausübung entsprechenden Personals, welches neben ihrer juristischen Fachkenntnis auch über einen weitreichende Wissensstand in wirtschaftlichen Fragen verfügen muss. Langjährige Praxiserfahrung in – auch außergerichtlichen – Sanierungsverfahren und Sicherheit bei der Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen der Insolvenzordnung und der Begleitgesetze sind dabei unverzichtbar.

Neben diesen fachgebietsübergreifenden Fähigkeiten ist ein hohes Maß an sozialer Kompetenz im Umgang mit Schuldnern und Gläubigern unabdingbar, denn eine gute Kommunikation mit allen Seiten ist die Basis erfolgreicher Insolvenzverwaltung.

Der Insolvenzverwalter bleibt jedoch verfahrensleitende Figur und trifft in höchstpersönlicher Verantwortung alle Entscheidungen, die von Tragweite sind, z.B. die Entscheidung über die Aufnahme eines Rechtsstreits für die Insolvenzmasse.

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